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Erzählt von Günter Dollhäubl

August 2005

Sind diese hier so häufig vorkommenden, violetten Blumen Lupinen, oder haben sie doch einen anderen Namen? Ich weiß es nicht und Trude auch nicht. Ist ja auch nicht so wichtig. Aber sehr schön sind sie allemal. Speziell wenn die Spätnachmittagssonne sie im Gegenlicht noch um einiges imposanter erstrahlen lässt. Dahinter kaum 10 Meter die Böschung runter zaubert dieselbe Sonne tausend goldene Sterne auf das sich durch die leichte Brise kräuselnde Wasser dieses Ausläufers des Sees. Ein wirklich schöner Anblick. Rechts dahinter im Schatten der starken Kiefernwälder ist ein größeres Feld von Seerosen zu sehen, die sich leicht im Wind schaukeln. Ich kann noch keine Blüten erkennen, nur gelbe Knospen überall - ungleichmäßig verteilt. Wahrscheinlich sind sie in zwei, drei Tagen soweit. Muss schön sein dann mit dem Kanu mitten durch zu gleiten…

Mein Geruchssinn holt mich wieder zurück in die Realität. Die Würstchen auf meinem Einweggrill gehören schnellstens gewendet. Ich nehme mein Taschenmesser dazu. Schon ist es geschehen, aber wie immer wenn man es ein wenig eilig hat, mit dem üblichen Malheur. Das letzte Würstel ist mir wieder einmal vom Grill gerollt. Macht nichts. Angespießt und wieder rauf. Diese „Engangsgrill“ wie sie so schön in der Landessprache heißen, sind eine tolle Sache, aber dass noch niemand auf die Version 2.0 gekommen ist, bei der ganz einfach ein etwas erhöhter Rand die Aluschalle begrenzt, damit die Würstel nicht mehr so leicht vom stets gewölbten Gitterrost runter rollen, ist wirklich verwunderlich. Vielleicht etwas was ich zum Patent anmelden sollte? Wie viel Geld könnte dabei zu verdienen sein? Egal. Ein kräftiger Schluck aus der Ottakringer Dose feuchtet die von der Arbeit ausgetrocknete Kehle. Es geht eben nichts über ein kaltes Bier. Und es geht noch viel weniger über ein kaltes österreichisches Bier um 39 Cents die Dose, wenn 500 km im Umkreis kein Bier um unter 2 Euro 60 die Dose zu haben ist. So schön Skandinavien auch ist, so hart ist es dort für einen passionierten Biertrinker finanziell einigermaßen zu überleben. Aber was tut man nicht alles um das hier einmal zu erleben. Links unten am Steg liegen momentan an die 15 Kanus. Der Grossteil gehört diesem Camp, nur einige wenige wurden von Besuchern mitgebracht. Irgendwo dazwischen muss auch unser altes aber bewährtes Trapper 465 liegen. Auch diesmal hat es uns wieder ausgezeichnete Dienste erwiesen.

Wir waren froh als wir vor zwei Tagen endlich hier am Oggevatn angekommen sind. 2200 km hatten wir unser Boot am Dach, nun endlich konnte ich es runter nehmen und zum Steg tragen. Wir hatten Glück, dass dieses Camp nicht ausgebucht ist, und wir konnten uns eine Hütte aussuchen. Natürlich haben wir die schönste gewählt. Eine Hütte für vier bis 5 Personen, direkt am See. Mit Terrasse, Kühlschrank, und was wir sonst noch so brauchen um ein angenehmes Camperleben zu führen. Eigentlich erbärmlich wie bequem man in all den Jahren geworden ist. Oder doch nicht? Vielleicht nur so schlau, die bestmögliche Option zu erkennen, die sich einem bietet. Auf alle Fälle haben wir diese bequeme Hütte bezogen.

Da das Wetter ausgezeichnet war starteten wir noch am gleichen Nachmittag eine Ausfahrt. Wir packten Getränke, Jause, Fotoapparat und die obligatorischen Regenumhänge in einen Sack, schnappten uns die Paddel und machten uns auf den Weg. Natürlich nicht ohne vorher eine genaue Karte des Sees erstanden, und den Kompass noch einmal kontrolliert zu haben. Dann ging es gemächlich aus dem Nebenarm an dem sich das Fredheim Gjesteheim befindet, in den eigentlichen See mit seinen über 300 Inseln. Diese Vielzahl von Eilanden macht dieses Gebiet auch so beliebt bei Kanuwanderern. Man ist selten weiter als 100 Meter von einem Ufer entfernt, und hat teilweise das Gefühl auf Flüssen zu paddeln. Überall lässt sich an den von der letzten Eiszeit vollkommen abgeschliffenen Felsen leicht anlanden. So paddelten wir auch nicht sonderlich weit und legten eine Pause auf einer kleinen Insel ein. Dort beobachteten wir ein paar andere Kanuwanderer die vorbei paddelten. Auch welche die an einer Nachbarinsel anlandeten und dort ein Camp mit allen Notwendigkeiten aufbauten. Paddeln und campen ist wohl die schönste Art dieses Gebiet zu erforschen. Die von uns gewählte bequemere Art von einem Fixcamp aus zu operieren ist nur bei Wochenendtouren zu empfehlen. Nach einem Picknick paddelten wir wieder weiter. Zuerst begann Kennet vom Boot aus zu fischen und dann folgte auch Trude seinem Beispiel. Doch bei diesem Traumwetter wollten die Fische nicht so wie ihre Jäger, und ich ersparte mir jeglichen Stress. Wir paddelten einen schönen Dreieckskurs. Laut Karte so an die acht Kilometer. Als wir am nördlichsten Punkt der Tour ankamen, legten wir wieder an und machten eine weitere Picknickpause. Erst nachdem die letzte der mitgebrachten Bierdosen zerdrückt und leer in das Kanu geworfen wurde, begannen wir mit der Rückfahrt. Trotz der vielen Inseln war es recht leicht sich mit Hilfe der Karte zu orientieren. Dazu trugen vor allem die vereinzelten Wochenendhütten bei, die auf Ufern und Inseln über den See verteilt liegen.

Gestern war das Wetter etwas eigenartig. Bewölkt, starker Wind aus Nordost und doch sehr warm. Wir machten wieder eine Tour und ließen uns zuerst vom Wind in den Süden treiben. Dabei konnten Trude und Kennet ungeniert fischen, während ich das Kanu mit ein paar Paddelschlägen steuerte. Dort wo sich der Oggesee zu einer großen Wasserfläche erweitert, versuchte ich etwas aus den Wind zu steuern. Doch dies war kaum möglich und zeitweilig wurden die Wellen schon recht hoch. Von einem anderen Erlebnis in Kanada gewarnt, wollte ich mich nicht über den ganzen See treiben lassen, um dann nur unter Anwendung all unserer Kräfte wieder zurück zu kommen. Also machten wir auf einer windgeschützten Sandbank eine Pause und paddelten dann mit vereinten Kräften zurück in den Wind abgewandte fjordartige Arme des Sees. Dort ging es wieder leichter und meine Begleiter konnten sich wieder dem fischen hingeben. So verging auch dieser Tag. Das Wetter hielt aus und wir kamen müde und vom Wind ausgetrocknet zurück ins Camp.

In der Nacht begann es dann zu regnen. Als wir um 8 erwachten hörten wir das gleichmäßige Trommeln der Tropfen auf das Dach und die Fensterscheiben unserer Hütte. Schön wenn man etwas länger liegen bleiben kann. Gegen Mittag hörte der Regen auf und einzelne blaue Löcher wurden in der Wolkendecke sichtbar. Die hervortretende Sonne erwärmte die Luft recht rasch und um zwei Uhr entschieden wir uns für eine neuerliche Tour. Wir paddelten diesmal in den Norden und dann an das Ostufer. Trude und Kennet fischten vor sich hin, während ich mit langsamen und gleich bleibenden Zügen die Ufer entlang paddelte. Wolken und Sonne tauchten die Landschaft in ein eigenwilliges, fantasievolles Licht. Um acht kamen wir wieder ins Camp. Müde aber zufrieden. Da die Sonne noch hoch am Himmel stand, entschieden wir ein paar Würstel auf den Grill zu werfen, und dazu bei ein paar kühlen Bieren auf der Terrasse zu sitzen und über das Erlebte zu plaudern. Es gibt keinen besseren Abschluss für eine gelungene Paddeltour. Und nun sitze ich hier und wende meine Würstel, die jetzt schon eine recht gute Farbe haben.

Alles in allem ist zu sagen, dass dieser Oggevatn ein wirklich nettes Kanugebiet für die ganze Familie ist, egal ob man nur zwei, drei Tage Zeit hat, oder einen dreiwöchentlichen Urlaub hier verbringt. Die diversen Bäche und Kanäle erlauben ein viel größeres Gebiet als das von uns besuchte, zu befahren. Dann müsste man aber Zelt und Schlafsack im Boot mitführen. Zusammenfassend wurde ich sagen, dieses Gebiet ist einen Besuch wert, für einen Urlaub ist es wahrscheinlich ein wenig zu einseitig. Außer man fischt leidenschaftlich gern.

Nun sind auch die Würstchen, oder Pölser wie sie hier heißen fertig. Ich nehme sie vom Grill und trage sie zum Tisch auf der Terrasse. Dort ist bereits alles gedeckt und drei hungrige Mäuler stürzen sich auf Würstel, Fladenbrot und Kartoffelpüree.